In letzter Zeit treibe ich mich des öfteren aus dem einen oder anderen Grund im Weinladen herum. Weil ich nicht anders kann, mache ich mir deshalb so einige Gedanken über Etiketten, und kann mir nicht helfen zu fragen: warum? Warum sehen die sich alle so ähnlich?
Auch wenn keiner sich das so recht zu sagen traut (weil sich mit Wein auszukennen natürlich zum Savoir-vivre und so gehört) – die meisten, mich inklusive, kaufen Wein nach dem Etikett. Was haben wir sonst auch schon, um uns daran zu orientieren? Mit viel Glück und am richtigen Ort kriegt man vernünftige Beratung, aber meistens stehen dann 5 Flaschen vor einem oder man selbst steht vor einem Regal mit mehr, und ist etwas ratlos. Und wonach entscheide ich dann? genau, dem Etikett. Schließlich will man nicht hinterher feststellen, daß der Wein nicht schmeckt und nicht mal die Flasche was hermacht.
Insofern gleicht Wein durchaus Kinofilmen und dem anderen Geschlecht, wenn der Inhalt nicht überzeugt, dann will man wenigstens was Schönes zum Anschauen haben.
In diesem Sinne hier ein Beispiel, das sich wohltuend von den ganzen Bürgchen, Schlösschen, Weinbergchen, Landschaftchen, mit denen Weinetiketten so gerne bevölkert/bebildert sind (Terroir mein Arsch!) abhebt:
Der blutrot-metallic Strich ist ein echter Hingucker auf dem hochweißen Papier, die traditionelle Komponente (aka Wappen) ist tiefgestapelt, aber dank Prägung doch dezent betont, die Typo vielleicht etwas altbacken, aber meilenweit über den typischen Schreib- und Handschriften.
Das einzige was mich wirklich etwas stört, ist die Wortmarke von Pradio – hätte es wirklich keine Type gegeben, aus der das A nicht so rausfällt?
Aber das mindert nicht (für mich wenigstens) die schlichte Eleganz des Designs, die eben aufgrund des Understatements wirklich heraussticht.
Ganz nebenbei bemerkt, kann man auch den Wein drin sehr gut trinken – als bekennende Weißweintrinkerin tue ich mir immer etwas schwer mit den Roten, aber der Cabernet ist wirklich angenehm rund und harmonisch, mit Aromen von Kirsch und roten Beeren in der Nase.
Besonders hat es mir aber der Tocai von Pradio angetan, der sooo nach Äpfeln und Birnen duftet und mit einer ganz zarten Bitternote auf der Zunge überrascht.
Kurzum: Well played, Pradio!
Ach, und nachdem ich jetzt lange genug nach Bildern gestöbert habe: Ich weiß nicht, warum, aber der Name dieses Weins weckt unangenehme Vorahnungen – ob das an mir liegt? (N.B.: auch hier beweisen die „Technischen Details“ (huh?) daß Etiketten ein schlagendes Verkaufsargument sind.)
