Schön Trinken August 10, 2008
In letzter Zeit treibe ich mich des öfteren aus dem einen oder anderen Grund im Weinladen herum. Weil ich nicht anders kann, mache ich mir deshalb so einige Gedanken über Etiketten, und kann mir nicht helfen zu fragen: warum? Warum sehen die sich alle so ähnlich?
Auch wenn keiner sich das so recht zu sagen traut (weil sich mit Wein auszukennen natürlich zum Savoir-vivre und so gehört) – die meisten, mich inklusive, kaufen Wein nach dem Etikett. Was haben wir sonst auch schon, um uns daran zu orientieren? Mit viel Glück und am richtigen Ort kriegt man vernünftige Beratung, aber meistens stehen dann 5 Flaschen vor einem oder man selbst steht vor einem Regal mit mehr, und ist etwas ratlos. Und wonach entscheide ich dann? genau, dem Etikett. Schließlich will man nicht hinterher feststellen, daß der Wein nicht schmeckt und nicht mal die Flasche was hermacht.
Insofern gleicht Wein durchaus Kinofilmen und dem anderen Geschlecht, wenn der Inhalt nicht überzeugt, dann will man wenigstens was Schönes zum Anschauen haben.
In diesem Sinne hier ein Beispiel, das sich wohltuend von den ganzen Bürgchen, Schlösschen, Weinbergchen, Landschaftchen, mit denen Weinetiketten so gerne bevölkert/bebildert sind (Terroir mein Arsch!) abhebt:
Der blutrot-metallic Strich ist ein echter Hingucker auf dem hochweißen Papier, die traditionelle Komponente (aka Wappen) ist tiefgestapelt, aber dank Prägung doch dezent betont, die Typo vielleicht etwas altbacken, aber meilenweit über den typischen Schreib- und Handschriften.
Das einzige was mich wirklich etwas stört, ist die Wortmarke von Pradio – hätte es wirklich keine Type gegeben, aus der das A nicht so rausfällt?
Aber das mindert nicht (für mich wenigstens) die schlichte Eleganz des Designs, die eben aufgrund des Understatements wirklich heraussticht.
Ganz nebenbei bemerkt, kann man auch den Wein drin sehr gut trinken – als bekennende Weißweintrinkerin tue ich mir immer etwas schwer mit den Roten, aber der Cabernet ist wirklich angenehm rund und harmonisch, mit Aromen von Kirsch und roten Beeren in der Nase.
Besonders hat es mir aber der Tocai von Pradio angetan, der sooo nach Äpfeln und Birnen duftet und mit einer ganz zarten Bitternote auf der Zunge überrascht.
Kurzum: Well played, Pradio!
Ach, und nachdem ich jetzt lange genug nach Bildern gestöbert habe: Ich weiß nicht, warum, aber der Name dieses Weins weckt unangenehme Vorahnungen – ob das an mir liegt? (N.B.: auch hier beweisen die „Technischen Details“ (huh?) daß Etiketten ein schlagendes Verkaufsargument sind.)
Was Sie schon immer über Haare wissen wollten… April 27, 2008
Haare. Meine sind gerade frisch gewaschen, blond(gefärbt), 
lang (wenn’s nach dem Friseurtarif geht) und meistens zusammengebunden.
Wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann kann ich an der Frisur ungefähr sagen, wann sie gemacht worden sind – die lange Phase, die halblange Phase, die brünette Phase, die blonde Phase, die rote Phase, die kurze Phase, die
schwarze Phase (ganz schnell wieder vorbei, weil ich damit wie ein Heroinjunkie kurz vor der Überdosis ausgesehen habe) – ich habe sie alle gehabt, und ein paar werden sicherlich wieder aufleben.
Wenn ich mir überlege, was das über mich sagt, kann ich
nur die Schultern zucken und denken, daß meine Haare zunächst mal gar nichts sagen – meine Haare waren nie bunt, extravagant, zu kurz, zu lang, und schon gar nicht politisch. Sie sind einfach da, und sie sind soweit bar jeder Äußerung.
Was meine Haare allein nicht aussagen können, das können viele zusammen schon – nämlich daß Frisuren Menschen und Gruppen nicht nur definieren, sondern sogar machen, und daß sie natürlich auch immer ein Politikum waren – Haare verbinden, Haare trennen, Haare faszinieren.
Die Faszination des Themas hat die Fotografin Herlinde Koelbl zu einem mehrjährigen Projekt verführt, welches zur Zeit in der Villa Stuck in München zu Gast ist.
Die Fotografin zeigt sich in jeder ihrer Porträtserien als Meisterin der induktiven Fotografie – der Einzelne wird zum Wegweiser auf der Suche nach dem übergeordneten Abstrakten.
Bei „Haare“ stehen konkrete Porträts neben abstrakteren Bildern, jedes davon fast bis zur Manier perfekt ausgeleuchtet und komponiert, um akribisch das Hornmaterial auf unseren Köpfen und anderen Körperteilen in Überfluß und Mangel zu zeigen – kaum ein Aspekt bleibt unbetrachtet, nicht mal Haare als störender Müll im Abfluß.
Daß die Aussage „Haare sind mächtige Identitätsstifter“ auf Dauer ein bißchen hohl ist und die Personen der Materialstudie untergeordnet sind, stört fast nicht weiter angesichts der oft fabelhaften Bilder.
Mein nächster Friseurtermin ist jedenfalls schon gebucht.
Schöner klüger werden April 22, 2008
Ich spiele generell eher wenig, deswegen passiert es nicht so häufig, daß ich Spiele im Netz suche oder gar richtig schöne finde. Questionaut ist also sozusagen ein Glückstreffer.
Questionaut ist gedacht für Schulkinder (schätzungsweise so um die 11 Jahre) und wurde von Amanita Design im Auftrag der BBC gemacht – was aber nicht heißen soll, daß man Erwachsener keinen Spaß daran hat.
Acht Levels wollen durchspielt werden, bestehend aus jeweils einem relativ leichten Point-and-Click- Rätsel und (englischen) Fragen aus den verschiedenen Themengebieten (nicht immer ganz leicht für jemanden der a) schon mehrere Jahre nicht zur Schule gegangen ist und b) nicht in Großbritannien zur Schule gegangen ist – Danke, Google!).
Die Illustration erinnert (zumindest mich) entfernt an Michael Sowa (eigentlich eher noch an jemand anderen, dessen Name mir aber entfallen ist) und ist durch und durch atmosphärisch und entzückend – würde man in ein Kinderbuch einsteigen, es könnt nicht schöner sein. Die Musik rundet den dezenten Surrealismus des Spiels zusätzlich ab, und so macht Questionaut von vorn bis hinten Freude – und das auch noch beim zweiten Mal, oder dritten, vierten, fünften.
Spielen! Vielen Vergnügen!







